06 Juni 2006

Was uns wichtig ist...

...und welche Rolle wir uns als Wertekommission gegeben haben, haben wir in der Einleitung zum Buch "Was uns wichtig ist" zusammengefasst:

"Die Idee entstand im Frühjahr 2004 aus einer ganz einfachen Beobachtung heraus: Die Globalisierung und die fundamentale Veränderung der Weltwirtschaft prägen unsere Generation. Sie haben neue Rahmenbedingungen geschaffen, auf die mit einem veränderten Wertesystem geantwortet werden muss. Aber: Unsere Generation der 25- bis 45-Jährigen führt diese Debatte kaum. Die Ansätze, die es gibt – etwa die Corporate Governance-Kommission oder die Diskussion um die Aufgabenverteilung zwischen Vorsorge durch den Staat und Eigenverantwortung des Bürgers – kommen entweder von den Älteren (»68ern«) oder von den Jungen (»Attac« et cetera).

Es fehlt diesem Diskurs der Werteimpuls unserer Generation, der Menschen zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Vierzig – was wohl auch einer der Gründe ist für die aktuelle Richtungslosigkeit, für das Auseinanderfallen der Gesellschaft und für die Verzagtheit bei Reformen. Es fehlt an dem Signal unserer Altersgruppe, dass wir als Generation unseren Tunnelblick der Konzentration auf das Individuelle aufgeben und unsere Rolle bei der Ausgestaltung der Zukunft von Arbeit und Gesellschaft annehmen. Das ist ein Alarmsignal – schließlich übernimmt unsere Generation in diesen Jahren den Staffelstab der gesellschaftlichen Verantwortung für die kommenden Jahrzehnte.

Verschiedene Ereignisse zeigen, wie sehr die Gesellschaft eine Wertedebatte sucht und auch bereit ist, sich ihr zu stellen:
– Die US-Präsidentenwahlen sind im Herbst 2004 nach Meinung aller Wahlforscher durch »Moral Issues« entschieden worden – also durch Werte.
– Der Pilgerstrom von Millionen von Menschen nach Rom anlässlich des »öffentlichen« Sterbens von Papst Johannes Paul II und seiner Beisetzung belegt die Relevanz traditioneller Werte auch in einer scheinbar säkularisierten Gesellschaft.
– Schließlich führt auch die Debatte um die Kapitalismuskritik (»Heuschrecken«) zu einer breiten Auseinandersetzung mit dem Thema Werte – in diesem Fall vor allem im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen.

Darum haben wir die Initiative ergriffen: Wir haben die »Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung« ins Leben gerufen: Sie ist ein Forum für die Diskussion von Werten und eine Plattform für die Vermittlung von Ideen. Wir wollen Katalysator sein für den Austausch zum Thema.


Unsere wichtigste Idee haben wir auch mit dem vorliegenden Buch umgesetzt: Argumente zu liefern für ein werteorientiertes Wirtschaften. Wir adressieren vor allem diejenigen, die als Leistungsträger Menschen in Unternehmen und Gesellschaft führen oder dieses künftig tun werden. Sie laden wir dazu ein, sich mit uns gemeinsam an der Wertediskussion zu
beteiligen.

Wir grenzen uns klar ab von anderen Initiativen und Kommissionen: Wir haben – anders als die Cromme-Kommission, die den Corporate-Governance-Kodex erarbeitet hat – keinen politischen Auftrag. Wir sind nicht – wie vergleichbare Initiativen und Organisationen – von Kirchen, von Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerverbänden beauftragt. Wir haben uns selbst beauftragt, eine mögliche Antwort für unsere Generation zu geben.

Die Werte, die dieses Buch behandelt, sind nicht zufällig gewählt. Sie sind das Ergebnis eines heuristischen Diskussions- und Reflexionsprozesses, der inzwischen anderthalb Jahre währt. Beteiligt sind Fach- und Führungskräfte, die ihre Rolle in der Wirtschaftswelt von heute definieren und Einfluss auf die Wirtschaft von morgen haben werden. Es sind Werte und
Tugenden, die aus unserer Sicht zentral und unverzichtbar sind für eine erfolgreich gestaltete Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland.

Dabei ist unsere Grundüberzeugung sehr einfach: Werte lohnen sich. Wertesysteme bestimmen, wie erfolgreich eine Gesellschaft ist. Werte und Wertschöpfung schließen sich nicht aus. Denn: Unternehmen können mittel- wie langfristig nur erfolgreich sein, wenn sie wertegesteuert handeln – wenn also die zentralen Werte in die strategischen Handlungsziele der Unternehmen eingewoben werden.

In dem Maße, in dem sich der Staat aus seiner bisherigen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft mehr und mehr zurückziehen muss, sind damit die Wirtschaft und ihre Lenker aufgefordert, stärker wertebasiert zu handeln. Der Wirtschaft muss dabei die Furcht davor genommen werden, dass ihr daraus ein Wettbewerbsnachteil entstehen kann.

Dieses erste Buch der »Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung« ist ein Werkstattbericht. Es soll Impulse dafür liefern, dass es sich lohnt, Werte in Unternehmen zu leben. Wir sind überzeugt: Werte lohnen sich – gerade auch bilanziell. Werte umzusetzen, ist operativ einfach. Und: Mitarbeiter, Investoren und Kunden werden ein Werteengagement ständig honorieren – durch ihre Überzeugtheit und Verbundenheit."

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